Verhütung während der Stillzeit

Verhüten nach der Geburt ohne Nebenwirkungen und schonend für das Baby - ein Drahtseilakt?

Der kleine Wurm hat das Licht der Welt erblickt, ist gesund und munter und gedeiht prächtig. Langsam vergehen die körperlichen Beschwerden der frisch gebackenen Mama, die sie von der Geburt davontrug. Irgendwann kehrt auch die Lust auf den Partner zurück, dich die Pille einzunehmen wäre nun, während das Baby gestillt wird, nicht ratsam. Auch das Einsetzen einer Spirale steht meist zunächst außer Frage, gerade bei der Entbindung via Kaiserschnitt. Nach der Geburt jedoch will man oftmals eben nicht sofort weitermachen mit der Familienplanung. Welche Möglichkeiten der Verhütung gibt es also während der Stillzeit oder wieso gibt es nicht einfach eine Anti-Baby-Pille, die man auch parallel anwenden kann?

Bin ich fruchtbar während der Stillzeit?

Es kursiert eine Weile lang das Ammenmärchen, man wäre ja während der Zeit des Stillens sowieso nicht fruchtbar. Ich hoffe schwer, dass die Aufklärung es mit der Zeit schaffte, solche Märchen auszumerzen. Denn: Selbstverständlich kann Frau schwanger werden, während sie stillt.

Was stimmt ist, dass der Hormonhaushalt die Aktivitäten der Eierstöcke etwas verlangsamen mag. Das bedeutet im Klartext dass eine erneute Schwangerschaft erst dann sehr unwahrscheinlich wird, wenn die Mutter ihre Tage noch nicht wieder hatte seit der Entbindung, sie voll stillt und nicht zufüttert. Außerdem muss sie dann mindestens 80 Minuten insgesamt am Tag, auf mindestens 6 Stillmahlzeiten verteilt, das Baby stillen, denn dabei wird das Prolaktin freigesetzt. Einen verlässlichen Empfängnisschutz stellt das jedoch nicht dar. Das beweist allein die Tatsache, dass es reichlich Kinder gibt, die direkt im Anschluss an die Geburt des kleinen Geschwisterchens entstanden.

Wieso das Stillen und die Anti-Baby-Pille einander ausschließen

Kombinationspillen beinhalten Östrogene, die die Produktion der Muttermilch hemmen. Zudem kann es hier passieren, dass das Baby, das gestillt wird, über die Muttermilch eine zu große Menge Hormone mitbekommt. Das geht zu Lasten der kleinen Leber und Nieren.

Eine Minipille könnte gegeben werden, hier wird nur Gestagen freigesetzt, was also erlaubt wäre während der Stillzeit, doch diese Anti-Baby-Pillen reichen oftmals von der Hormonmenge her den Frauen gar nicht mehr, um sinnvoll und verlässlich verhüten zu können.

Warum keine Spirale direkt bei der Geburt?

Selbstverständlich kann die Spirale während der Stillzeit als Verhütungsmethode verwendet werden, sie belastet das zu stillende Kind nicht. Allerdings ist der Einsatz der Spirale nicht im direkten Anschluss an die Geburt möglich. Die Gebärmutter muss sich erst vollständig zurückgebildet haben, die Wöchnerinnenzeit muss also auch erst enden.

Übrigens dürfen alle Spiralen während der Stillzeit eingesetzt werden, denn selbst bei der Hormonspirale sind nur in etwa die Mengen an Hormonen vorhanden, die auch die Minipille freigibt.

Welche Methoden gibt es, die sich mit dem Stillen vertragen?

Es gibt die 2-Monatsspritze, die verwendet werden darf während der Stillzeit. Hier ist es allerdings möglich, dass es zu horrenden Gewichtszunahmen kommt, da dieses Präparat eine derart hohe Dosierung beinhaltet, dass es mit einer Injektion ja über ein Vierteljahr hinweg verhüten muss.

Die Temperaturmethode ist nicht unbedingt empfehlenswert, wenn die Familienplanung nun wirklich erst einmal ruhen soll. Zudem kann ein Vaginalring verwendet werden, der Hormone nach und nach abgibt, aber auch Verhütungspflaster mit ähnlicher Funktionsweise.
Ein Hormonimplantat ist auch denkbar, doch auch hier könnte es zu Nebenwirkungen kommen, sodass dieses kleine Stäbchen im Oberarm dann wieder ambulant entfernt werden muss.

Die wohl sinnvollste und nebenwirkungsfreiste Methode stellt folglich die Nutzung von Kondomen oder eines Diaphragmas dar.

Foto © Brigitte Meckle – Fotolia.com

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