Wieso nimmt man beim Stillen ab?

Das macht einen doch völlig verrückt: Diäten soll man meiden innerhalb der Stillzeit, weil sich so Schadstoffe aus dem mütterlichen Körper auf das Baby übertragen können. Aber viele Mütter nehmen binnen der Schwangerschaft 30 Kilogramm zu. Andere wiederrum passen vermeintlich sofort wieder in die alte Jeans. Wie unfair. Und dann will man stillen, da heißt es dann, man nimmt automatisch ab und das nicht zu knapp. Aber da übertragen sich dann keine Schadstoffe auf das Kind? So ein Durcheinander, wer soll denn das noch verstehen? Wie macht man es richtig und bleibt dennoch auch Frau?

Bin ich eine schlechte Mutter weil ich gern wieder hübsch aussehen möchte?

Um Himmel´s Willen – Nein! Freilich ist es unpassend, wenn die frisch gebackene Mama sich erstmal im Krankenhausbett zu schminken beginnt, das ist sicherlich übertrieben und der Instinkt ist in diesem Moment normalerweise auch ein ganz anderer.

Irgendwann jedoch wird der Moment kommen, in dem die Mama, die ihr Kind über alles liebt und verehrt und sich geradezu nicht daran sattsehen kann, auch mal wieder in ein hübsches Kleid steigen will. Der Körper hat sich sehr verändert, aber nicht im negativen Sinne. Frauliche Kurven und der typische Mama-Bauch sind nun an der Tagesordnung. Die nun stillenden Mütter werden auch ein gänzlich anderes Dekoltée haben. Darüber hingegen freuen sich die meisten – auch die Papas.

Ich plaudere an dieser Stelle einfach mal aus dem Nähkästchen: Direkt im Anschluss an die Geburt meiner Tochter war ich kurzzeitig ziemlich frustriert. Nach etwa 25 Kilogramm Gewichtszunahme über die Schwangerschaft hinweg fühlte ich mich mit Kullerbauch göttlich und ausgesprochen ansehnlich. Dann kam die Geburt und nach drei Tagen etwa der erste Gang zur Waage. Das war auch soweit okay, denn 11 Kilogramm waren bereits durch die Geburt hinweg und davon allein schon jede Menge Wasser, das ich u.a.in den Beinen hatte. Aber also ich so an mir herunterschaute blieb mein Blick an meinem Bauch hängen. Schier eine Katastrophe. Der geliebte Kugelbauch war weg und übrig blieb nur eine leere, so gar nicht mehr straffe Hülle, Hautüberschuss, Gewebe, das nie mehr so aussehen würde, wie zuvor – nämlich straff.

Inzwischen – knappe 8 Jahre ist´s her – kann ich schon lange wieder durchaus figurbetonte Kleidung tragen. Aber wie ein straffes, jugendliches Mädchen werde ich nie mehr aussehen. Und ich mag das. Und ich hoffe inständig, dass es dem Großteil der frisch gebackenen Mamas ebenso ergehen wird. Genießt euren neuen Alltag, wie er sich einspielt und doch unstet ist, weil Baby nun mal tagsüber schläft, wann es ihm oder ihr danach ist. Niemand muss nach einer Geburt aussehen, wie aus dem Ei gepellt. Das ist nur die eigene Erwartungshaltung, vermutlich darauf begründet, weil wir eben durch Medien und andere Einflüsse direkt an Heidi Klum in Dessous denken, die sie 3 Wochen nach der Geburt eines ihrer Kinder auf einem Laufsteg präsentieren konnte. Das ist reine Utopie, wird nicht erwartet, verlangt oder sonst was.

Ist die Gewichtsreduktion durch das Stillen gesünder, als durch eine Diät?

Dass sich das Gewicht wieder einpegelt, ist normal und begrüßenswert. Aber zutun sollte man dazu nichts. Der Bedarf der stillenden Mutter an Kalorien ist erhöht und man sollte gar nicht erst damit beginnen, irgendwelche Tabellen zu erstellen und das Essen zu zerdenken.

Wenn der Körper nach Schokolade verlangt, so gibt sie ihm – womöglich ist das das Signal zur Prophylaxe gegen Unterzuckerung. Selbstverständlich muss es dann keine ganze Tafel sein. Hast Du Heißhunger auf ein Schnitzel, dann iss es bitte. Es macht Dich mindestens zufrieden und satt und diese innere Zufriedenheit überträgt sich ebenso auf das Baby, das gestillt wird. Maximal sollte es eine gedankliche Liste der Dinge geben, die gemieden werden sollen, dem Baby zuliebe.

Letztendlich geht es akut darum, zwei Körper zu versorgen. Calcium rettet den mütterlichen Zahnstatus, das Baby braucht das ebenso. Das stärkt auch die Knochen. Vitamine sind für Mamas Haare gut und die Haut, die Abwehr und für das Baby ebenso. Fett ist notwendig. Und Kalorien ebenso.

Das Kind entzieht durch das Stillen natürlich der Mutter Nährstoffe, so sinkt allmählich das Gewicht. Auf die eben gesunde Art und Weise. So können zwar auch Schadstoffe aus dem ursprünglichen Fettgewebe, das langsam dahinschmilzt, freigesetzt werden, jedoch in geringer dosierten Raten. Ein pauschales Rezept gibt es dennoch nicht, wenn ich mal von mir selbst ausgehe. Ich habe 7 Monate lang voll gestillt, ohne zuzufüttern und in dieser Zeit purzelte dennoch kaum ein Kilo. Aber mit der Zeit formte sich alles wieder so zurecht, dass alles stimmig ist.

Foto © jolopes – Fotolia.com

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